gruppen:mittelbau:alumni_berichten

Alumni bekennen sich zur BTU Cottbus

Alumni der Brandenburgischen Technischen Universität unterstützen die BTU. Weitere Statements bitte an Romain Gengler

Dipl.-Inf. Jana Winkler, ROHDE & SCHWARZ GmbH & Co. KG, München

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

Nachdem ich meinen Abschluss 2006 gemacht hatte, hat mich das Berufsleben in das ferne München verschlagen. Aber Cottbus hat mich nie ganz losgelassen. Deshalb informiere ich mich immer noch regelmäßig darüber, was in der Region passiert. Auch wenn ich nur noch selten in der Heimat bin. Um so mehr hat es mich gefreut, dass sich Cottbus nun offiziell Universitätsstadt nennt. Und noch besser: Letztes Jahr feierte die BTU ihr 20-jähriges Jubiläum.

Mit ihren 20 Jahren ist die BTU noch eine recht junge Universität. Sie hat es in der kurzen Zeit aber trotzdem geschafft, sich zu einer Universität mit einer guten Reputation und ständig steigenden Studentenzahlen zu mausern.

Ich persönlich habe beim Studium immer die familiäre Atmosphäre geschätzt. Hier kennen die Professoren und Lehrstuhlmitarbeiter ihre Studenten. Das sorgt nicht nur für einen Wohlfühlfaktor, sondern steigert auch ungemein die Qualität der Lehre. Hier ist man nicht nur eine Matrikelnummer. Das macht die BTU zu etwas Besonderem in meinen Augen. Ich kehre auch immer wieder gern zu den Alumni-Treffen, und auch manchmal einfach so, an meine Alma Mater zurück. Die Zeit in Cottbus war eine schöne Zeit.

Meine Befürchtung ist nun, dass mit der Energie-Universität Lausitz genau diese familiäre Atmosphäre verloren geht. Das Gleiche gilt für den Anspruch, den eine technische Universität von seinen Studenten abverlangt. Denn die Ausbildung, die ich hier genossen habe, hat mir den Start in mein Berufsleben sehr erleichtert. Auch heute zehre ich noch von der einen oder anderen Vorlesung, und den Methodiken zur Problemlösung, die ich hier an der BTU gelernt habe. Und ich wünsche mir, dass das auch für die zukünftigen Studenten in Cottbus so bleibt.

Wenn mich jemand fragt, wo ich studiert habe, dann sage ich mit Stolz: "Ich habe an der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus studiert." Ich hoffe, dass ich das auch in Zukunft sagen kann, ohne den Nachtrag, dass es diese Universität nicht mehr in dieser Form gibt. Ich hoffe auch, dass ich beim nächsten Alumni-Treffen wieder an meine Alma Mater in Form der BTU Cottbus zurückkehren kann.

Ich unterstütze die BTU Cottbus.

Dipl.-Ing. Martin Günther, Lehrstuhl Konstruktion und Fertigung, BTU Cottbus

(Absolvent Maschinenbau Diplom, BTU Cottbus)

Selbst als Cottbuser, der seiner Heimat sehr verbunden ist, habe ich mich bei der Wahl meines Studienortes, wie das vielleicht viele junge Menschen tun würden, bewusst auch anderswo umgesehen und bin nach reiflicher Überlegung doch immer wieder zu dem Entschluss gekommen, dass meine Ansprüche nirgendwo in dem Maße, wie in Cottbus erfüllt werden. An der BTU Cottbus habe ich nicht nur die Grundlagen für den Maschinenbau gelehrt bekommen, sondern ich darf mein erlerntes Wissen auch als akademischer Mitarbeiter in praxisnahen Industrieprojekten einsetzen. Die mir dabei übertragene Verantwortung und die Zusammenarbeit mit namhaften Firmen wie beispielsweise Rolls-Royce oder Leistritz zeigen mir, dass hier nicht nur im stillen Kämmerlein geforscht wird, sondern dass das Niveau der Forschung weit über das hinausgeht, was derzeit gemeinhin über die BTU berichtet wird. Die BTU Cottbus erfüllt aus meiner Sicht ihren Lehr- und Forschungsauftrag in hervorragender Weise. Ganz besonders gut find ich den familiären Charakter dieser jungen und überschaubaren Universität.

Als Absolvent der BTU Cottbus trete ich dafür ein, dass die BTU Cottbus auch in Zukunft an sich bestehen bleibt. Als einzige Technische Universität im Land Brandenburg besitzt die BTU ein Alleinstellungsmerkmal, welches nicht achtlos aufgegeben werden darf. Auch ohne Zusammenschluss und Namensänderung sind die BTU und die Hochschule Lausitz bereits jetzt wichtige Wachstumsmotoren der Region. Ich halte es für absolut falsch den Fokus absichtlich immer nur auf Defizite zu lenken. Der Identifikation von Defiziten beider Hochschulen stimme ich grundsätzlich zu, nur der Umgang mit den gewonnenen Fakten lässt einiges zu wünschen übrig. Defizite stellen kein K.O.-Kriterium dar, sondern sind eine Herausforderung, die gerne angenommen wird. Dabei sollte zunächst jeder Hochschule die Gelegenheit gegeben werden, an ihren Defiziten zu arbeiten. Machen wir uns doch Garnichts vor, ohne Defizite gäbe es doch auch keine Stärken?

Den in 20 Jahren mühsam geschaffenen guten Ruf der BTU Cottbus zu Gunsten einer Neugründung wegzuwerfen halte ich für absolut nicht zielführend. Das hat anderswo nicht funktioniert und wird hier ebenso nicht funktionieren. Ferner ist dieser Plan auch ein Schlag ins Gesicht für alle die in den letzten 20 Jahren am Aufbau der BTU mitgewirkt haben.

Prof. Dr. André Schulz, Institut für Mathematische Logik und Grundlagenforschung, Universität Münster

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

Im Herbst 1996 habe ich mein Informatikstudium an der BTU Cottbus angefangen. Erst während des Studiums, und nicht zuletzt auf Grund der hervorragenden Betreuung am Lehrstuhl der Theoretischen Informatik, ist in mir der Wunsch gereift, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Mit den Grundlagen, die mir an der BTU vermittelt wurden, habe ich es geschafft, an der Freien Universität Berlin zu promovieren, eine Anstellung als Postdoc am MIT zu erhalten, und schlussendlich eine Professur an der Universität Münster zu bekommen. Mein Lebenslauf sehe mit Sicherheit anders aus, wenn es in Cottbus "nur" eine rein anwendungsbezogene Ausbildung gegeben hätte.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Ausbildung an einer Universität im starken Maße über den reinen Anwendungsbezug hinausgehen sollte. Nur durch das Vermitteln von universellen Konzepten ist es gewährleistet, Studenten zu Experten auf ihrem Gebiet auszubilden. Dies hat die BTU Cottbus meiner Erfahrung nach bislang sehr gut umgesetzt. Durch eine Auflösung der Universität setzt man die in den letzten Jahren geschaffene Exzellenz auf dem Gebiet der Lehre leichtfertig aufs Spiel. Ich finde die Motivation für eine Neugründung unverständlich und widersprüchlich. Zudem empfinde ich, dass der Diskussion darüber jegliche Transparenz fehlt. Durch die geschaffene Unsicherheit wird es der BTU schwer gemacht, neue Studenten für sich zu werben. Aus diesen Gründen unterstütze ich den Erhalt der BTU Cottbus.

Dr. Harald Schwefel, Max Planck Institut für die Physik des Lichts & Universität Erlangen-Nürnberg

(Grundstudium der Mathematik & Physik an der BTU Cottbus 1994-1998)

Bereits 1994 habe ich in Cottbus mit dem Studium der Physik und Mathematik angefangen. In einem super familiären Rahmen wurden mir die Grundlagen dieser beiden Wissenschaften nahe gelegt und mein akademischer Ehrgeiz geweckt. Durch die hervorragende Vorbereitung der Professoren der BTU, fiel es mir nicht schwer 1998 ein Promotions-Stipendium der Yale University zu ergattern. Mit meinen Grundlagen aus der BTU konnte ich mich dann 2004 im Fach Physik promovieren. Seitdem forsche ich am Max Planck Institut für die Physik des Lichts in Erlangen. An meine Zeit an der BTU Cottbus denke ich immer wieder gerne zurück - auch an die heißen Diskussionen als Mitglied im Studierendenrat mit dem damaligen Minister Steffen Reiche und die vielen persönlichen Freundschaften die mir aus der Zeit erhalten sind. Das "Erlebnis" BTU kann man nicht beschreiben, man muss es erleben - mögen es noch viel Generationen von Studenten erleben. Ich hoffe das ich nach meine Grußworte zum 5. Jubiläum der BTU im Jahre 1996 jetzt nicht einen Nachruf schreiben muss.

Dr.-Ing. Hartmut Höhns, WindMW GmbH, Bremerhaven

(Absolvent Wirtschaftsingenieurwesen Diplom, BTU Cottbus)

Ich bin entsetzt! Diese Diskussion gab es bereits schon einmal Ende der 90er. Damals konnte man sehr deutlich machen, warum die Aufstellung als BTU und FH sinnvoll ist. Eine Uni/GH ist meiner Meinung nach eher der Finanzlange des Landes Brandenburg geschuldet als der Qualität der BTU. Wenn man Rankings bspw. in den VDI-Nachrichten verfolgt, gilt die BTU fachlich und aus Sicht der Forschung als Geheimtip unter Kennern. Vielleicht sollte diesbezüglich das Marketing etwas verbessert werden? Als einzige TU im Land Brandenburg ist die BTU unbedingt erhaltenswert. Da gibt es aus meiner Sicht gar keinen Zweifel. Ich hoffe die Damen und Herren in der Landesregierung können sich auch noch zu dieser Erkenntnis durchringen?!

Manuel Lucia, M.Sc., Bayern

(Absolvent Informatik Master, BTU Cottbus)

Anmerkung zur geplanten Fusion von BTU Cottbus und der Hochschule Lausitz
Bedingt durch meine Arbeit neige ich dazu Dinge eher globalpolitisch zu betrachten, so auch die geplante Fusion der BTU Cottbus und der Hochschule Lausitz (HL).

Ein paar einleitende Worte:
Eine Gesellschaft, welche dem (m.E. reichlich schwachsinnigem) Paradigma des ewigen Wachstums anhängt und dafür immer stärker von, zunehmend schwindenden, Ressourcen abhängig ist, kann Ihre Restzeit nur durch gesteigerte Effizienz bei der Energie- und Ressourcengewinnung verlängern. Somit ist die Entscheidung der brandenburgischen Politik, sich wieder verstärkt dem Thema „Energie“ zuzuwenden absolut folgerichtig und zukunftsweisend. Zugleich muss dieser Richtungswechsel mit ((finanz-)systembedingt) immer knapper werdenden Haushaltskassen, in einer sich ausdünnenden Region gestemmt werden. Eine Fusion zweier Hochschulen, von denen jede ein sehr eigenständiges Profil hat, bietet grundsätzlich die Möglichkeit einer Bündelung umfangreicher Kompetenzen, und somit, bei gleichem finanziellem Aufwand, einen erhöhten Aktionsradius, was wiederum Potenzial zur Stärkung der Wirtschaftskraft in Cottbus und Umgebung eröffnet.

Aber:
Ein derart tiefgreifender Umbau der Hochschulstruktur muss zwingend detailliert in Zielrichtung, Umsetzung und Finanztechnik ausgeplant werden und kann nur gelingen, wenn die Akzeptanz der betroffenen Personen hergestellt wird. Doch was ich vermehrt lese, lässt man die zwei Konkurrenten bei dieser Mammutaufgabe nahezu allein vor sich hinwerkeln. Ich selbst habe die BTU Cottbus als sehr familiäre, weltoffene und vor allem als freidenkerische Universität kennen gelernt. Gerade den letzten Punkt weiß ich sehr zu schätzen, denn das „Hinausschauen über den Tellerrand“ ermöglicht erst eine ganzheitliche Bewertung von Situationen. Dies möchte ich auch deshalb hervor stellen, da man in den letzten Jahren vermehrt eine „Verschulung“ der Hochschulen und Universitäten feststellen muss. Da unser Land aber nur über eine einzige ernstzunehmende strategische Ressource verfügt, nämlich die Menschen selbst, ist m.E. die Vermittlung vom Lernen lernen und Kreativität unerlässlich für den Bildungsstandort Deutschland. Und ich habe wohl recht in der Annahme, dass es für mindestens gutes Führungs- und Fachpersonal weniger auf das besonders effektive - bewusst effektiv, nicht effizient - Auswendiglernen von Fachliteratur ankommt. Von dem freidenkerischen Aspekt in meiner Ausbildung an der BTU kann ich in meiner sehr vielfältigen Arbeit, welche mehr einem Nachrichtentechniker als einem Informatiker entspricht, täglich profitieren. Aber auch die Studenten an der HL sind sehrwohl stolz auf ihre arbeitsmarktnahe und verstärkt praxisorientierten Ausbildung, so ein Familienmitglied.

Es stellt sich also ernsthaft die Frage, ob es sinnvoll ist, mal eben mit einem Schlag zwei namhafte Hochschulen aus dem Bildungskörper Brandenburgs zu entfernen, um eine, derzeit einigermaßen chaotisch anmutende, Chance im Rahmen der allgemeinen Energiewende wahrzunehmen. Anstatt also in brandenburgischer Großprojektmanie à la Cargolifter und Co ein weiteres Millionenloch zu schaufeln ist es doch zielführender endlich mal Geld in die Hand zu nehmen und damit die, an den Hochschulen bereits vorhandene, Energiethematik auszubauen. Denn was die Bildungsausgaben (pro Einwohner) in Brandenburg angeht ist man seit Jahren Schlusslicht [1] S.66; [2] S36/37 und verspielt somit erhebliche Zukunftschancen der Region.

Welch hohen Stellenwert eine gute Ausbildung beispielsweise in Bayern bei der hiesigen Wirtschaft hat, wird deutlich, wenn man sich die zahlreichen privaten Bildungsinitiativen z.B. [3] anschaut. Unter dem Motto: „Vorsprung durch Bildung“ versucht man hierzulande dem deutschen Sparwahn in der Bildungspolitik entgegenzuwirken. Denn schließlich hat man dieser Orts einen über Jahrzehnte hart erkämpften Industriestandort zu verlieren. Kann hiervon die brandenburgische Politik lernen? Ich jedenfalls lerne wann immer mir sich die Möglichkeit dazu eröffnet, und das ich dazu in der Lage bin ist nicht zuletzt meiner Ausbildung an der BTU Cottbus, insbesondere der Fakultät 1, geschuldet.

Ich danke fürs bis zum Ende lesen und grüße aus Bayern
Manuel Lucia

Quellen:
[1] Bericht der Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg
[2] Hochschulen auf einem Blick, Ausgabe 2012, Statistisches Bundesamt
[3] http://www.bildunginbayern.de/downloads/index.html

Dipl.-Inf. Dirk Frommholz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Berlin-Adlershof

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

Ich habe mein Informatikstudium im Jahr 2001 an der BTU Cottbus begonnen, durfte aber schon zur Schulzeit mal reinschnuppern beim Programmieren mit Miranda unter Anleitung von Prof. Bachmann vom Lehrstuhl für Compilerbau. Die fundierte theoretische und auch die tiefgreifende praxisnahe Ausbildung hat mir ein solides Wissen für meine tägliche Arbeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof mitgegeben. Dort entwickeln wir in der Abteilung für Sensorkonzepte und Anwendungen spezialisierte Software für Luftbildkamerasysteme. Aus den damit verarbeiteten Bilddaten werden hochaufgelöste digitale Oberflächenmodelle und virtuelle 3D-Welten abgeleitet, die beispielsweise für die Tsunamisimulation und Evakuierungsplanung in Indonesien Verwendung finden.

Eine Auflösung der BTU und die Neugründung der Energieuniversität sind die Fortsetzung der unsäglichen Bildungspolitik des Landes Brandenburg, die primär darauf ausgerichtet war und ist, die Zukunftschancen der jungen Bevölkerung in der Region und darüber hinaus fahrlässig zu torpedieren. Das Zerstören einer etablierten Einrichtung und Marke, die kontinuierlich hervorragende weltoffene Absolventen in den Arbeitsmarkt entlässt (auch wenn diese dann vielleicht nicht in Cottbus bleiben), macht mich fassungslos und begründet diese Zeilen.

Dr.-Ing. Lars Krause, ThyssenKrupp Steel Europe AG

(Absolvent Wirtschaftsingenieurwesen Diplom, BTU Cottbus)

Ich habe von 1992 bis 1997 und damit als einer der ersten "Jahrgänge" im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Fabrikbetrieb, studiert. Hierfür habe ich den Umzug aus dem damals noch deutlich weiter entfernten (West)Berlin in die Lausitz gerne "in Kauf" genommen. Mein Berufsweg führte mich anschließend zu McKinsey & Company, zur Volkswagen AG und schließlich zu ThyssenKrupp.

Die BTU ist mehr als eine Ausbildungsstätte, sie ist die Keimzelle für technische Forschung in Brandenburg. Das Konzept der Campus-Universität mit kurzen Wegen ist nicht nur effizient, es schafft die Voraussetzungen für den intensiven Austausch zwischen Studenten, Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern unterschiedlicher Fakultäten. Dies ist wiederum die Voraussetzung für neue Ideen. Die Lage der BTU in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum von Cottbus ist eine Besonderheit, um die sie viele Forschungseinrichtungen beneiden. Persönlich hat mich die Möglichkeit in unmittelbarer Nähe der Lehr- und Forschungseinrichtungen zu wohnen von Beginn an begeistert. Ich habe der BTU viel zu verdanken.

Die BTU hat in den letzten 20 Jahren eine eigene Identität entwickelt, die einen Wert an sich darstellt. Dieser Wert sollte politisch nicht unterschätzt und kurzfristigen wirtschaftlichen Erwägungen geopfert werden.

Dipl.-Inf. Kirill Osenkov, Microsoft (from Redmond, WA, USA)

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

My Alma mater – BTU Cottbus in Germany
Blogeintrag

Dipl.-Inf. Dariusz Kalinowski, Wroclaw (Breslau)

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

Ich arbeite in Wroclaw (Breslau) in einer polnischen GmbH die zu T-Systems und der Deutschen Telekom AG gehört. Mein direkter Vorgesetzter kommt aus Berlin, seine Frau kommt ursprünglich aus Cottbus. Viele der Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich täglich an globalen IT-Dienstleistungen (z.B. für Philips) arbeite, kommen aus Ostdeutschland. Gerade haben wir mit einem Kunden eine riesige Vertragserweiterung vereinbart, wobei ein Großteil der Dienstleistungen aus Dresden geliefert wird.

Die BTU Cottbus lehrt nicht nur modernste Technologien, sondern vor allem auch Arbeitsweisen die in internationalen Projekten helfen. Da spielen Sprachkenntnisse und das Verständnis von verschiedenen Kulturen eine entscheidende Rolle. Deutsche Sprachkenntnisse, welche ausländische Absolventen der BTU erwerben, helfen später bei der Kommunikation mit deutschen Kolleginnen und Kollegen. Zwar wird meistens Englisch gesprochen, aber ich wechsle gerne auf Deutsch, wenn ich dazu eine Gelegenheit bekomme.

Dr.-Ing. Rico Schady, Siemens AG, München

(Absolvent Wirtschaftsingenieurwesen Diplom, BTU Cottbus)

Auch ich habe die Diskussion über die Zukunft der BTU in den vergangenen Wochen mitbekommen und freue mich über das konstruktive Engagement der BTU, das sich auch in dem meiner Meinung vernünftigen Konzeptentwurf der BTU ausdrückt.

Ich selbst habe von 1998 bis 2003 Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefungsrichtung Fabrikbetrieb an der BTU studiert. Als Brandenburger im "Speckgürtel" von Berlin hatte ich mich bewusst gegen Berlin und für Cottbus entschieden, da mir eine moderne und kleine Universität als interessanter erschien. Im Rückblick kann ich nur sagen, dass es in jeder Hinsicht die richtige Entscheidung war. Die BTU hat mir alle Möglichkeiten gegeben, mich auf die vielfältigen Anforderungen des Berufslebens und auch des nächsten wissenschaftlichen Schrittes vorzubereiten.

Heute arbeite ich bei der Siemens AG und konnte in diversen Positionen vom Erlernten und von den Erfahrungen an der BTU profitieren. Niemals habe ich wesentliche Defizite wahrgenommen, die gegenüber anderen Universitäten bestehen. Im Gegenteil - ich bin auch stolz als BTU-Absolvent und sehe sie in ihrer Ausrichtung und Marke grundsätzlich gut positionert. Hierauf sollte man nahtlos aufbauen, wie es das BTU-Konzept auch beschreibt.

Dr.-Ing. Mario Rossdeutscher, CAReer - The Talent Program

(Absolvent Maschinenbau Diplom, BTU Cottbus, Promotion an der BTU)

Ich habe die aktuelle Diskussion und den Vorschlag des Ministeriums zur Fusion der Hochschulen nur am Rande mitbekommen.

Während meines Maschinenbaustudiums und auch anschließend während der Promotion sammelte ich äußerst positive Erfahrungen mit der industriellen Nähe der Universität. Aus Praxissicht sehe ich dieses Thema als einen der wichtigsten Punkte in der Ausbildung und späteren Übergang in den Beruf an, denn die Mehrheit der Studenten studiert ja mit dem Ziel, später in der Praxis eine möglichst gute Basis zu finden. Insbesondere diese Praxisnähe, welche ich nicht als Grundeigenschaften einer jeden Universität verstehe - würde ich als ein herausragendes Merkmal der BTU Cottbus hervorheben.

Insbesondere in unserem Unternehmen haben die Absolventen der BTU Cottbus einen sehr guten Ruf. Insofern bin ich wirklich überzeugt, dass man die Universitätsstruktur sowie den Namen der BTU Cottbus erhalten sollte und diesen Ruf weiterhin ausbauen und weiterentwickeln sollte.

Dipl.-Ing. Iris Haberman, Proplant Wolfsburg GmbH

(Absolvent Wirtschaftsingenieurwesen Diplom, BTU Cottbus)

Als ich mich nach dem Abitur für einen Studienstandort entscheiden musste, habe ich bewusst die BTU gewählt. Für mein Ingenieurstudium fühlte ich mich an einer technischen Universität besser "aufgehoben" als beispielsweise an einer geisteswissenschaftlichen Hochschule, da so die Möglichkeit bestand, mit Kommilitonen oder Lehrenden anderer Ingenieurs- oder Naturwissenschaften in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Ich habe mich damals explizit gegen eine Fachhochschule entschieden, weil ich zu dem Zeitpunkt nicht ausschließen wollte, später in einem forschenden Bereich tätig zu sein bzw. den Grad eines Doktors anzustreben.

Die BTU kann aufgrund ihres kurzen Bestehens zwar nicht den Leumund wie Universitäten, die bereits eine Jahrhunderte alte Tradition besitzen, aufweisen, dennoch hat sie sich in ihrem 20-jährigen Bestehen einen sehr guten Ruf an den Schulen und in der Industrie hart erarbeitet, was die steigenden Studierendenzahlen und die zahlreichen Kooperationspartner (z.B. Vattenfall, Rolls Royce, Volkswagen, Fraunhofer-Gesellschaft) beweisen.

Die BTU war mir damals als eine junge Universität bekannt, die sich durch eine moderne Ausstattung (Lehrräume, Labore) und eine sehr gute Betreuung auszeichnete. In den letzten Jahren meines Studiums, waren die Sparmaßnahmen des Landes bereits deutlich zu spüren. Immer mehr Lehrveranstaltungen wurden als Blockveranstaltung durchgeführt, weil Lehrstühle nicht neu besetzt worden sind. Auch als Studentin war mit etwas Aufmerksamkeit zu spüren, dass auch das Lehrpersonal der bestehenden Lehrstühle ein-gespart wurde. Besonders deutlich wurde mir diese Tendenz, als ich selbst wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Lehrstuhl wurde. Konfrontiert wurde unser Lehrstuhl mit einer stetig zunehmenden Anzahl an Studierenden (teilweise bis zu 700 pro Veranstaltung) und dabei immer weniger Mitteln für MitarbeiterInnen und Sachinvestitionen. Unter diesen Umständen eine gute Lehre zu gewährleisten, gleichzeitig Drittmittel aus Ermangelung an Haushaltsmitteln einzuwerben und erstklassige Forschung zu betreiben, ist nur mit einer dauerhaften Überlastung der MitarbeiterInnen möglich, was sich wiederum langfristig negativ auf oben genannte Tätigkeitsbereiche auswirkt.

Ich habe mein Studium an der BTU nicht bereut. Es war genau die richtige Entscheidung. Stände ich heute jedoch vor der Wahl, mein Studium an der "Energieuniversität Lausitz" oder einer technischen Universität in einem anderen Bundesland zu absolvieren, würde ich mich für die letzte Alternative entscheiden, da ich mich, neben den oben genannten Gründen bei Bewerbungen in meinem Lebenslauf nicht auf das Thema Energie reduzieren lassen möchte und nicht jedem potentiellen Arbeitgeber erklären möchte, was nun unter "Energieuniversität" zu verstehen ist. Ich denke, es wird vielen Abiturienten ähnlich gehen, so dass die Gefahr besteht, dass vermehrt Abiturienten, die sich für ein Studium an der BTU entschieden hätten, ein Studium an einer technischen Universität in einem anderen Bundesland aufnehmen und aufgrund sozialer Bindungen, Jobeinstig nach studienortsnaher Praktika etc. dort nach Studienende bleiben. Dies wäre eine gefährliche Tendenz besonders unter Berücksichtigung des demografischen Wandels. Das Land Brandenburg sollte bestrebt sein, seine Potentiale an sich zu binden.

Aufgrund oben genannter Gründe ist es daher äußerst kurzsichtig und gefährlich, finanzielle Einsparungen zu Lasten der brandenburgischen Hochschulkultur zu erzielen. Ich bin überzeugt, dass sich dieser kurzfristige Vorteil langfristig negativ auf das Land Brandenburg auswirken wird. Es sollte daher alles daran gesetzt werden, die einzige technische Universität des Landes in dieser Form zu erhalten und zu fördern.

Dr.rer.nat. Christian Köhler, Universität Siegen

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus, Promotion TU-München)

Ich bin erschüttert über die Bestrebungen des Ministeriums sowohl die BTU als auch die FH-Lausitz quasi abschzuschaffen. Insbesondere die Informatik der BTU-Cottbus hat sich national und international einen Ruf als kleine aber hochwertige Einrichtung aufgebaut. Diesen Ruf von heute auf morgen einfach zu beerdigen, halte ich für eine äußerst unkluge Entscheidung.

Jana Paulick, M.Sc., Spiegel-Institut Mannheim

(Absolventin Informations- und Medientechnik, Master, BTU Cottbus)

Ich stamme aus Spremberg und habe von 2003 bis 2009 an der BTU IMT (B.Sc. und M.Sc.) studiert. Ich wohne nun in Ingolstadt und arbeite für das Spiegel-Institut Mannheim bei Audi in Ingolstadt im Bereich Sprachdialogsysteme.

Meine Jahre an der Uni waren sowohl fachlich als auch menschlich die prägendsten in meinem Leben. Ich habe die Lehre an der Uni immer als sehr hochwertig mit sehr guter Ausstattung (u.a. der Labore, etc.) und die Betreuung als erstklassig und sehr persönlich kennen gelernt. Ich kenne keinen Dozenten der BTU, der "seine" Studenten nicht beim Namen kennt.

Bisher sind mir keine Absolventen andere Unis begegnet, die ähnliches von "ihrer" Hochschule behaupten können. Wenn man sich die Orte und Firmen ansieht, an die es BTU-Absolventen "verschlagen" hat, dann zeigt dies welch guten Ruf sich die BTU, mittlerweile erarbeitet hat. Und dies obwohl die Rahmenbedingung seitens der Landesregierung alles andere als ideal sind. Wenn man nun noch bedenkt, dass kein anderes Bundesland für einen Hochschulabsolventen weniger Geld ausgibt als Brandenburg, dann ist es eine Farce der BTU vorzuwerfen, sie würde zu wenig aus ihren Mitteln machen.

Diesen guten Ruf und somit auch die Arbeit (die Energie der Menschen und die finanziellen Mittel) nun durch eine Schließung der Uni "in den Sand zu setzen" ist, meiner Meinung nach, mehr als fahrlässig. Sowohl für Cottbus, als auch für die Lausitz und nicht zuletzt auch für Brandenburg. Und zusätzlich ist es auch ein Schlag ins Gesicht derer, die an diesem Ruf in den letzten 20 Jahren hart gearbeitet haben.

Dipl.-Ing. Anne Brandl, ETH Zürich, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur

(Absolventin Stadt- und Regionalplanung, BTU Cottbus, Stipendiatin des Schweizer Nationalfonds)

Als ich 2004 aufgrund eines Stellenangebotes in die Schweiz gekommen bin und zum ersten Mal städtebauliche Diplomentwürfe von Architekturstudierenden der ETH Zürich gesehen habe, dachte ich, "Das ist ja auch nicht besser, als bei uns in Cottbus." Seit nunmehr acht Jahre lehre und forsche ich an der ETH Zürich, am Departement Architektur und ich habe von Anfang an festgestellt, dass ich mich mit meiner Ausbildung als Stadtplanerin von der "kleinen" Universität Cottbus an der "grossen" ETH Zürich nicht verstecken muss. Im Gegenteil.

In der Schweiz wird mir immer mit Erstaunen (und auch ein bisschen Neid) begegnet, wenn ich erzähle, dass ich Stadtplanung/Städtebau studiert habe. Das kann man hier nämlich nicht. Lediglich innerhalb des Architekturstudiums kann man an der ETH Zürich städtebauliche Entwürfe und Seminare wählen. Aber ein grundständiges Studium gibt es nicht - seit kurzem erst einen Master in Urban Design. Insofern haben Cottbuser Absolventen ein Alleinstellungsmerkmal - und Schweizer Stadtplanungsämter nehmen gerne Cottbuser Absolventen - ich weiss von einigen in Cottbus ausgebildeten Stadtplanern, die in Schweizer Ämtern oder an Schweizer Hochschulen untergekommen sind.

Während meines Grundstudiums habe ich geflucht, wenn ich als Stadtplanungsstudentin Fliesenpläne zeichnen und Brückentragwerke bauen musste. Ich habe mich damals gefragt, wozu ich das als angehende Stadtplanerin brauche, warum ich in gemischten Teams mit Architektur- und Bauingenieurstudierenden zusammenarbeiten muss. Jetzt, wo ich selber Architekturstudierende unterrichte, offenbart sich mir die Qualität dieses Lehransatzes. Cottbuser Stadtplanungsabsolventen können sowohl im Maßstab eines Hausgrundrisses denken als auch im Massstab eines städtischen Quartiers entwerfen - auch das ist eine Fähigkeit, die mir in meinem akademischen Berufsleben nicht so oft begegnet ist. Genauso geprägt hat mich die Selbstverständlichkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit. Ich habe in Cottbus spannende Seminare absolviert, bei denen die Lehrstühle Stadttechnik und Landschaftsplanung oder Denkmalpflege und Hochbau zusammengearbeitet haben. Angesicht der grundlegenden Transformationsprozesse, der Auflösung eindeutiger Kategorien wie Stadt und Land, der Gleichzeitigkeit von Wachstum und Schrumpfung bedarf es mehr denn je der Fähigkeit interdisziplinären Denkens. Auch hier sind Cottbuser Studierende der Stadt- und Regionalplanung ausgezeichnet gewappnet.

Ich bin überzeugt, dass ich ohne meine umfassende Ausbildung in Cottbus nicht an der renommierten ETH Zürich gelandet wäre. Ich blicke gerne und mit Stolz auf meine Cottbuser Studiumszeit zurück. Eine Schließung der BTU Cottbus ist mir aus Schweizer Perspektive mehr als unverständlich und erscheint als kurzfristige, politisch und nicht sachlich motivierte Strategie. Die Brandenburger Hochschulpolitik würde etwas abschaffen, was auf dem Schweizer Arbeitsmarkt bzw. in der Schweizer Forschungslandschaft mehr als nachgefragt ist.

Dipl.-Ing. Anja Mätzschker

(Absolvent Wirtschaftsingenieurwesen Diplom, BTU Cottbus)

Ich habe an der BTU Cottbus Wirtschaftsingenieurwesen studiert und ebenfalls die Anfänge der BTU miterlebt.

Das Studium war eine sehr gute Grundlage für mein späteres Berufsleben. Die Studienbedingungen und die Ausstattung an der BTU Cottbus habe ich immer als sehr gut empfunden. Die intensive Betreuung der Studierenden sehr geschätzt.

Nun bin ich sehr überrascht von den Plänen des Wissenschaftsministeriums in Brandenburg. Ich denke gegen eine Kooperation zweier eigenständiger Hochschulen ist nichts einzuwenden. Aber warum soll nach mehr als 20 Jahren erfolgreichen Aufbaus und Profilierung wieder bei Null anfangen werden? Erneuerbare Energien und Energiewende sind in letzter Zeit häufig genannte Schlagworte. Will man auf diesen Zug aufspringen mit einer "Energie-Universität Lausitz" ?

Das Forschungsprofil der BTU Cottbus ist doch bereits auf fünf wichtige Themen ausgerichtet:

  • Energie
  • Umwelt
  • Material
  • Bauen
  • Informations- und Kommunikationstechnologie

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sollte weiter beibehalten werden, da sie eine wichtige Vorbereitung für das Berufsleben ist.

Sascha Nehls, M.Sc., Schwedt/Oder

(Absolvent Informations- und Medientechnik in Cottbus)

BTU Cottbus auf dem Abstellgleis? Blog-Eintrag

Die Nachricht hat diese Woche große Wellen geschlagen: Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst sieht das Konzept der BTU Cottbus gescheitert und möchte die Uni mit der Hochschule Lausitz vereinigen. Angeblich sind die Forschungsergebnisse der BTU nicht ausreichend und überhaupt ist die Uni nicht erfolgreich. Durch das Zusammenführen von Uni und Hochschule sollen beide Standorte gestärkt und die Profilierung weiter voran getrieben werden.

Dabei hat die BTU doch gerade in den letzten Jahren für ordentlich Aufsehen gesorgt: Spitzenpositionen in den Rankings von Wirtschaftsingenieurwesen und Architektur, interessante Forschungsprojekte wie das Hybrid-Kraftwerk in Prenzlau und stetig steigende Studentenzahlen sprechen eigentlich eine klare Sprache. Doch davon will die Ministerin nichts wissen. Angeblich macht die BTU zu wenig aus ihrem Geld.

Mein Gefühl sagt mir, dass hier einfach nur nach einer billigen Rechtfertigung gesucht wird, um den Bildungsetat in Brandenburg weiter zu kürzen. Es geht nicht darum die Uni zu profilieren, sondern um den Haushalt zu entspannen. Frei werdendes Geld kann dann ja gleich in den Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses oder anderen Prunkbauten in Potsdam gesteckt werden. Anstatt die Provinz zu unterstützen, wird das Geld mit viel Glanz in der Landeshauptstadt angelegt.

Ich hoffe, dass den Entscheidungsträgern in Potsdam bald klar wird, dass das Land auf die gut ausgebildeten Ingenieure aus Cottbus nicht verzichten kann. Sie werden in den Zeiten des Fachkräftemangels wichtiger denn je. Oder sollen etwa Germanisten den neuen Flughafen leiten?

Dipl.-Ing. Steffi Bretschneider, Nordrhein-Westfalen

(Absolventin Stadt- und Regionalplanung Diplom, BTU Cottbus)

Ich habe in der Zeit von 2004 bis 2010 an der BTU Stadt- und Regionalplanung studiert und bin jetzt fachfremd als Planerin im Straßen- und Tiefbau in NRW beschäftigt. In meiner Tätigkeit im öffentlichen Dienst erlebe ich tagtäglich, wie die Politik die Zügel fest in der Hand hält und finanzielle Mittel mehr oder minder sinnvoll verwaltet.

Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, warum man versucht, der Stadt Cottbus ein Stück Identität und vor allem auch einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor zu nehmen. Die Forschungserfolge mit den geringen Mitteln sprechen für sich. Trotz der knappen Mittel steht die BTU im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen ganz vorn im Uni-Ranking. Und auch durch studentische Beiträge an Wettbewerben glänzt die BTU regelmäßig. Die Fusion oder gar Schließung einer Hochschule würde zur Folge haben, dass eine hohe Anzahl Studenten einfach nicht mehr da ist. Umsatzeinbußen für Einzelhandel (vor allem der fußläufig erreichbare in der Innenstadt), die Gastronomie, das Kino, sonstige Freizeiteinrichtungen und auch für den ÖPNV. Einher gehen u.a. Rückgang der Steuereinnahmen und der Wegfall von Arbeitsplätzen.

Dr. Wolfgang Jeltsch, TTÜ Küberneetika Instituut, Tallinn, Estland

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus, Promotion an der BTU Cottbus)

Im Herbst 1997 nahm ich mein Informatikstudium an der BTU Cottbus auf. Ich hatte bereits einige Erfahrungen mit Programmiersprachen und Computern gesammelt und wollte nun grundlegende Konzepte und Methoden der Informatik erlernen. Das Studium erfüllte und übertraf meine diesbezüglichen Erwartungen. Es war anspruchsvoll und hat mich dadurch theoretisch und praktisch fit gemacht. Im Anschluss an mein Studium arbeitete ich mehrere Jahre an der BTU Cottbus als wissenschaftlicher Mitarbeiter und promovierte dort auch. Diese Zeit war für mich sehr bereichernd, als Forschender wie auch als Lehrender.

Ich begrüße Hochschulreformen, wenn sie dazu führen, dass Hochschulen ihre Aufgaben in Forschung und Lehre besser erfüllen können. Ich bezweifle aber, dass die geplante Ersetzung von BTU Cottbus und Hochschule Lausitz durch eine „Energieuniversität“ diesem Ziel gerecht wird. Zum einen droht die sinnvolle Unterscheidung zwischen praxisorientierter Fachhochschule und grundlagenorientierter Universität weiter verwässert zu werden. Die gewünschte „Universalhochschule“ könnte am Ende weder Fisch noch Fleisch sein. Zum anderen halte ich die Fokussierung auf ein politisch forciertes Modethema (erneuerbare Energien) für gefährlich. Hier droht die Freiheit der Wissenschaft weiter unter die Räder politischer Zielsetzungen zu kommen.

Problematisch ist auch ganz allgemein die Radikalität des Planes von Frau Ministerin Kunst. Es geht um tief greifende Strukturveränderungen, die viel Geld und Kraft benötigen, die dann für Forschung und Lehre nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Erfolg des Projekts ist dagegen hochgradig ungewiss. Man riskiert also, Steuergelder im großen Stil in den Sand zu setzen.

Dr. rer. nat. Guobin Jia, Institute of Photonic Technology, Dept. Photovoltaic Systems, Jena

(Promotion an der BTU Cottbus)

Die BTU bietet einen einzigartigen Studienort nicht nur für deutsche, sondern auch für viele ausländische Studenten/innen, dafür hat Cottbus sein Name gemacht auch zur einer Weltstadt, so zieht es auch viele Touristen nach Cottbus. Die Studierende sind zwar weniger als die an anderen Universitäten, aber dafür werden sie sehr gut betreut. Ich kenne keine anderen Universitäten in Deutschland, wo die Professoren alle ihre Studenten kennen.

Heike Pfund, M.A.

(Absolventin World Heritage Studies Master, BTU Cottbus)

Das Studium an der BTU Cottbus im Fach "World Heritage Studies" war mein zweites Studium, 20 Jahre nach meinem ersten Abschluss an der Fachhochschule Köln. Bedingt durch diese Situation habe ich vermutlich noch einen anderen Blickwinkel auf die BTU. Ich habe mich an der BTU sehr gut aufgehoben gefühlt: sehr gutes und sehr engagiertes Lehrpersonal, ein moderner und schöner Campus,und Studierende aus aller Welt sind eine gute Basis für ein erfolgreiches Studium. Gerade die Internationalität habe ich als sehr positiv empfunden. Der Austausch mit "fellow students" aus allen Erdteilen und die Auseinandersetzung mit den kulturell bedingten Verschiedenheiten trägt entscheidend zur notwendigen Sensibilisierung und Internationalisierung der Studierenden bei, die in unserer globalisierten Welt auch im Beruf später dringend gebraucht wird. Aus meiner Sicht wäre das Fortbestehen der BTU aus den oben genannten Gründen wünschenswert, darüberhinaus kann der positive Einfluss einer frischen, interkulturellen Studentenschaft auf Cottbus und seine Bürgerinnen und Bürger gar nicht hoch genug bewertet werden.

Dipl.-Inf. Jürgen Walter, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Saarbrücken

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus, Promovent am IWi im DFKI, UdS, Saarland)

Vor wenigen Jahren wurde von Ministerin Prof. Wanka die BTU noch als Leuchtturm der Region gepriesen. Nun soll dieser Leuchtturm fallen. Die BTU hat sich in den letzten 20 Jahren einen guten internationalen Ruf hart erarbeitet. Mit Forschung und Ausbildung auf höchstem Niveau, stellt die BTU nicht nur für die Region Lausitz einen unentbehrlichen Schatz dar, sondern auch für Brandenburg. Nicht nur an hochrangigen Universitäten und Forschungseinrichtungen sind die Absolventen tätig, sondern auch in national und international operierenden Unternehmen. Aber wenn Finanzmittel über kurz oder lang, direkt oder indirekt, gestrichen werden, muss sich das Ministerium auch die Frage gefallen lassen, wie dann das erreichte Niveau in Forschung und Lehre überhaupt gehalten werden kann.

Ich selbst war lange Mitglied des Fakultätsrates der Fakultät 1. Die damaligen finanziellen Rahmenbedingungen waren schon bedenklich und sind in den letzten Jahren noch bedenklicher geworden. Lehrende, die weit über ihre Grenzen mit Lehre beauftragt wurden, sollen dann auch noch Spitzenforschung leisten? Eine nicht nachvollziehbare Diskrepanz, die keine Berücksichtigung bei den gegenwärtigen Betrachtungen findet.

Eine Zusammenlegung mit der Hochschule Lausitz wird keine Besserung bringen, da es letztendlich nur um weitere Einsparungen in Cottbus und Senftenberg geht. Dieses Geld wird nicht den nur beiden Hochschulen fehlen, sondern der gesamten Region, denn es ist ein Arbeitsplatz-Abbau getarnt als Umstrukturierung.

Noch schlimmer finde ich den Vorschlag, dass die BTU einen neuen Namen bekommen soll. Die Zerstörung einer etablierten Marke ist gleichzusetzen mit der Schließung der BTU. Wer würde denn noch Coca Cola kaufen, wenn sie nicht mehr so hieße bzw. welcher immense Aufwand müsste betrieben werden, um die bewährte Marke unter neuem Namen wiederbekannt zu machen?

Dipl.-Inf. René Schwietzke, Xceptance GmbH Jena/Xceptance Inc. Cambridge USA

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

Als einer der ersten Studenten der neuen Technischen Universität Cottbus im Studiengang Informatik, nehme ich die derzeitigen Pläne zum Umbau der Universitäts- und Fachschullandschaft mit Kopfschütteln zur Kenntnis. Man hat viel Geld, Mühe und Zeit in den Aufbau der BTU gesteckt, ihre Reputation erarbeitet, sie bekannt gemacht und mit der Wirtschaft verbunden und nun soll wieder alles anderes werden?

Was ich an der BTU schätze, war ihre überschaubare Grösse, ihre kurzen Wege und die Möglichkeit mit den Lehrkräften direkt zu interagieren und nicht einer von unzähligen namenlosen Studenten zu sein. Es gibt einen Bedarf an einer kleinen aber feinen Universität.

Meine derzeitige Heimat Jena bietet eine Fachhochschule und eine Universität. Beide stehen teilweise sogar in Konkurrenz und dieser kleine Wettbewerb scheint beiden zu helfen. Beide Bildungseinrichtungen haben unterschiedliche Ziele, sprechen unterschiedliche Interessen an, aber zum Schluss sind sie immens wichtig für die Zukunft der Region um Jena.

Die Fachhochschule und die Universität in Cottbus können und sollen sich ergänzen, aber beide sollen ihre unterschiedlichen Ziele und Lerninhalte behalten, beide sollen und müssen der Region Wissen, Ideen und gut ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung stellen. Den Anspruch an eine Universität und die Erwartungen an eine Fachhochschule sollten nicht vermengt werden.

Als Arbeitgeber ist es für mich wichtig zu wissen, wo ein Bewerber herkommt, wo er gelernt hat und was man von dieser Bildungseinrichtung erwarten kann. Eine neue Energieuniversität hat keine Reputation, hat kein Profil und schon der Name allein macht es schwer, ein breites Angebot an Lehrinhalten zu erwarten.

Ich bin für eine Technische Universität, die kluge Ideen in Forschung und Entwicklung hervorbringt, Unternehmensgründungen ermöglicht und die Region Lausitz nach vorn bringt. Ich bin für eine Fachhochschule Lausitz, die praxisnah ausbildet und die Region mit motivierten Arbeitskräften stärkt.

Dipl.-Inf. Łukasz Michał Kluczny

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus sorgt für Ausbildung von Fachkräften und erfüllt darüber hinaus einen Bildungs- und Forschungsauftrag. Als Absolvent der BTU Cottbus trete ich dafür ein, dass die Brandenburgische Technische Universität Cottbus auch in der Zukunft Ihre Aufgabe in unveränderter Form erfüllt. Meiner Ansicht nach, hat sich das Stadtbild von Cottbus durch die BTU Cottbus zum positiven gewandelt. Die ganze Gegend profitiert kontinuierlich von der Existenz der Universität erheblich. Eine Vermengung mit der Hochschule Lausitz bedeutet keine Aufwertung von beiden Hochschulen. Es handelt sich aus meiner Sicht um eine kurzsichtige Entscheidung, welche Weiterentwicklung und Aufrechterhaltung vom Bundesland Brandenburg als Bildungsstandort nachhaltig verhindern wird. Ich appelliere an die Entscheidungsträger, den Beschluss die BTU Cottbus zu schließen, zu verifizieren und für beide Hochschulen der Region eine vernünftige Lösung für die Zukunft zu entwickeln.

Dipl.-Inf. Katja Winder, Cottbus

(Absolventin Informatik Diplomm, BTU Cottbus)

Ich glaube, dass die grundsätzlichen Ziele, die die Landesregierung verfolgt richtig und gut sind. Mehr Studenten sollen gewonnen werden, die Reputation und Forschungstätigkeit soll größer und intensiver werden. Es soll ja angeblich nicht einmal gespart werden. Ich befürchte nur, dass eine Zusammenlegung und einseitige Ausrichtung der denkbar schlechteste Weg zu den Zielen sind, den man erst dann wählen sollte, wenn wirklich nichts anderes mehr Erfolg verspricht.

Mir ist nicht einmal klar, warum genau die Zusammenlegung diese Ziele erreichen soll: für mich klingt das, was derzeit nach Sparen, auch wenn das immer wieder dementiert wird. Und Sparen an der Bildung halte ich für unklug in der derzeitigen Situation Brandenburgs. Schon gar nichts halte ich davon, erst die Zusammenlegung ohne Rückkehrmöglichkeit zu beschließen und dann einen Plan zu machen, wie genau mit welchen Maßnahmen die Ziele erreicht werden sollen. So funktioniert nachhaltige Entwicklung nicht. Für mich sind die zielerreichenden Maßnahmen das Kriterium und ich erwarte, dass erst die Ziele und die zugehörigen Maßnahmen aufgezeigt werden. Wenn sich dann die unumgängliche Notwendigkeit ergibt, auch strukturelle Veränderungen vorzunehmen, haben diese zumindest eine gute Begründung. Wir haben weder die Zeit noch das Geld für Experimente mit unklarem Ausgang, die uns im schlimmsten Fall in der regionalen Entwicklung um Jahre zurückwerfen.

Dipl.-Ing. Tim B. Volquardsen

(Absolvent Architektur Diplom, BTU Cottbus)

Nachdem der Kontakt zur BTU in den letzten Jahren aufgrund der Alltagsbelastungen meinerseits stets geringer wurde, haben mich die letzten Entwicklungen hinsichtlich unserer Uni und ihres Fortbestandes sehr überrascht und traurig gestimmt. Mein Abschluss als Dipl.-Ing. Architekt an der BTU liegt zwar nunmehr schon mehr als 10 Jahre zurück, dennoch denke ich heute noch hin und wieder an eine wirklich schöne und positive Studienzeit zurück. Die Erfahrungen, die ich damals ab 1993 direkt nach der Wende überdies sammeln konnte, gehen zudem über die eines normalen Studentenlebens hinaus.

In mehr als 10 Jahren der Berufstätigkeit – und davon die längste Zeit in Selbstständigkeit – habe ich die in Cottbus vermittelte Ausbildung, das Engagement der Lehrenden, das erfahrene Ausbildungsniveau und die allgemeinen Studienbedingungen nach wie vor in sehr positiver Erinnerung und empfinde es auch aus heutiger Sicht als gute Grundlage für die Ausübung meines Berufes. In der Vergangenheit hat es mich immer sehr gefreut, über Erfolge der BTU – sei es durch aktuelle Forschungs- oder Studienaktivitäten, oder aber durch ehemalige Absolventen im Berufsalltag – zu hören und zu lesen. Auch dieses stellte für mich bislang immer ein Indiz dafür dar, mich seinerzeit für die richtige Universität entschieden zu haben.

Da die Universität sowohl für die Stadt und die Region ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Faktor geworden als auch für die Brandenburgische Hochschullandschaft unverzichtbar ist und die Qualität der Ausbildung stets auch nach außen hin wahrnehmbar ist, hoffe ich sehr, dass die Diskussionen um den Fortbestand der BTU bald nachlassen werden und dass es in jedem Fall weiter gehen wird.

Thomas Basmer, M.Sc., IHP Frankfurt (Oder)

(Absolvent Informations- und Medientechnik Master, BTU Cottbus)

Ich bin 2001, nachdem ich mich an verschiedenen Universitäten beworben und umgeschaut habe, bewusst aus der Nähe von Leipzig an die BTU Cottbus gekommen. Beim Besuch des Tages der offenen Tür hat sich mir die BTU als Universität mit spannenden und damals auch neuartigen Studiengängen als zukunftsorientierte Universität mit sehr guten Ausbildungsmöglichkeiten dargestellt. Der Eindruck hat sich während meines gesamten Studiums bestätigt. Nach Abschluss meines Studiums der Informations- und Medientechnik habe ich eine Anstellung in Brandenburger Forschungsinstitut gefunden. Alle meine Mitkommilitonen haben heute ebenfalls sehr spannenden und gute Anstellungen, was für die sehr gute Ausbildung an der BTU spricht.

Spannend ist auch, dass Freunde aus ehemaligen Schultagen, die heute in großen Firmen arbeiten und dort auf Studenten und Absolventen der BTU treffen, mich ansprechen ob ich ihnen einen Kontakt zu Professoren an der BTU herstellen kann, da besonderes Interesse an Studenten und Absolventen der BTU besteht. Das ist für mich ein Indiz dafür, dass die BTU in den letzten Jahren sehr gute Arbeit geleistet hat und in Zukunft auch leisten muss und wird.

Meiner Meinung nach ist es recht schwer junge Menschen aus ganz Deutschland davon zu überzeugen sich Arbeit in und um Cottbus zu suchen. Viele Studenten, die aber nach Cottbus zum Studieren gekommen sind auch hier geblieben und arbeiten heute als Fachkräfte in Firmen der Region. Die BTU hat nicht nur eine wichtige Ausbildungsfunktion um den Fachkräftenachwuchs und die Innovation in den regionalen Firmen zu sichern sondern sie dient auch als Aushängeschild und Leuchtturm der Region.

Dipl.-Ing. Astrid Breitenfeld, Bergisch Gladbach

(Absolventin Bauingenieurwesen Diplom, BTU Cottbus)

Ich habe 1989 in Cottbus angefangen zu studieren, damals hieß sie noch Ingenieurhochschule Cottbus und 1-2 Monate später wurde sie in Hochschule für Bauwesen umbenannt. Nach der Wende habe ich mich bewusst dazu entschieden in Cottbus zu bleiben und nicht wie viele aus meinem Jahrgang an einer westdeutschen Hochschule oder Universität weiter zu studieren. Die Nähe zu den Professoren und Dozenten und Übersichtlichkeit des Campus und keine überfüllten Hörsäle waren ausschlaggebend für diese Entscheidung. Sie trugen erheblich dazu bei, dass man sein Studium in der Regelstudienzeit mit guten Ergebnissen schaffen konnte.

Ich habe die Anfänge der BTU miterlebt, diese Zeit war sehr spannend und wir sind alle an diesen Aufgaben gewachsen.

Auch wenn nach meinen Erfahrungen meine Auftraggeber die BTU nie kannten und auch der Abschluss von ihnen nicht so anerkannt wurde, wie der Abschluss an einer westdeutschen Universität, ich bin stolz darauf an der BTU meinen Abschluss gemacht zu haben, ich habe viel gelernt und ich habe auch eine gute Grundlage für meine weitere berufliche Laufbahn erhalten.

Es wäre sehr schade, wenn die BTU geschlossen würde. Die wenigsten Universitäten bzw. Hochschulen haben so gute Verhältnisse für Studenten wie die BTU.

Dipl.-Ing. Sebastian Averdung, Averdung Ingenieurgesellschaft mbH, Hamburg

(Absolvent Wirtschaftsingenieurwesen Diplom, BTU Cottbus)

Nicht nur dass in Cottbus Freunde fürs Leben gefunden habe und ich eine persönlich spannende und interessante Studienzeit in Cottbus hatte, macht die BTU, bzw. das Studium in Cottbus aus. Ich habe mich damals für ein Studium ca. 700 km fern der Heimat (ich komm aus dem Emsland) entschieden, weil der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefung Energieversorgung ausschließlich an der BTU angeboten wurde. Die Einzigartigkeit ist heute so sicherlich nicht mehr gegeben, dass andere Universitäten nachgemacht haben, aber meine Kommilitonen von damals haben alle herausragende Beschäftigungen gefunden. Ich habe eine sehr gute Ausbildung in Cottbus genossen!

Franka Schuster, M.Sc., BTU Cottbus

(Absolventin Informatik Master, BTU Cottbus, Doktorand BTU)

Vor meinem Studium sah ich mich als gebürtige Cottbusserin bewusst an anderen Universitäten (Dresden, Leipzig, Berlin, Rostock) um. Ich hatte die Absicht, in einer anderen Stadt als Cottbus zu studieren. Keine der besuchten Universitäten konnte jedoch die für mich relevanten Kriterien zugleich und in dem Maße erfüllen wie Cottbus: zahlenmäßiges Verhältnis der Studierenden zu den Lehrenden, moderne Ausstattung, kurze Wege. Und zudem noch eine technische Universität!

Also blieb ich und studierte wie erhofft unter erstklassigen Bedingungen. Während des gesamten Studiums ging ich davon aus, Cottbus danach schon allein wegen des sehr begrenzten Angebots für Informatikerin der Region zu verlassen. Aber die optimalen Studienbedingungen an der BTU führten auch dazu, dass ich das Angebot bekam, nach meinem Abschluss weiterhin als Doktorandin an der BTU zu forschen. Obwohl ich neugierig auf ein anderes Umfeld war, entschied ich mich wieder für die BTU. (Da kann man halt einfach nichts falsch machen!) Tatsächlich erlaubt mir die Beschäftigung an der BTU derzeit ein Leben in Cottbus mit einer außerordentlich hohen Qualität. Ich bezweifle, dass ich das so an einer anderen Institution oder in einer anderen Stadt ähnlich empfinden würde. Zusammenfassend wird klar, dass ich ohne die BTU mit den sie auszeichnenden Eigenschaften Cottbus und damit die Region bereits nach meinem Abitur verlassen hätte.

Unabhängig von meinem persönlichen Werdegang, ist die BTU in ihrer jetzigen Form unentbehrlich für die gesamte Region. Sie bindet Fachkräfte mit ihren Familien in Cottbus und dem Umland, deren Einkommen wiederum der Region zu Gute kommt. Außerdem stellt sie für Frauen wie mich, die an einer TU studieren wollen, eine Möglichkeit dar, in der Region zu bleiben - ja sogar dafür hierher zu kommen. In einer Region, die gekennzeichnet ist durch die sehr frühe Abwanderung überdurchschnittlich vieler Frauen darf die Attraktivität dieser Möglichkeit - auch nicht vorübergehend - durch eine Diskussion, wie sie zurzeit passiert, gemindert werden.

Aus diesen Gründen stellt die Diskussion über die BTU in meinen Augen gleichzeitig eine Diskussion über die zukünftige strukturelle Entwicklung der Region dar. Es muss jedem Verantwortlichen klar sein, dass unabhängig von dem Endergebnis, bereits die momentanen Unsicherheiten über die Entwicklung der BTU die Universität, die Stadt und die Region empfindlich treffen können (weniger Studienanfänger und Abwanderung von Universitätsangehörigen mit ihren Familien mit allen erdenklichen Auswirkungen). Für diese Entwicklungen hier im Süden Brandenburgs hat die Politik, namentlich die Regierung in Potsdam eine außerordentlich große Verantwortung, die gerade bei leeren Kassen gewissenhaft ausgefüllt werden muss um die Zukunft aller Regionen des Landes möglichst gut zu gestalten. Vor diesem Hintergrund sollte jeder Verantwortliche sich hüten, über eine Institution wie die BTU, die seit Jahren aus unvergleichbar geringen Mitteln vom Land (vor allem für eine TU), mitten in einer wirtschaftlich schwachen Region und trotz ihres so junges Alters diese erfolgreiche Entwicklung - für sich und den Süden Brandenburgs - genommen hat, so in Frage zu stellen.

Dipl.-Inf. Thomas Grundmann, TU Kaiserslautern

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus, Doktorand TU Kaiserslautern)

Die Zusammenlegungspläne von Frau Ministerin Kunst sind mir absolut unverständlich. Mit gerade einmal 20 Jahren ist die BTU noch relativ jung. In dieser Zeit hat sie sich trotz chronischer Unterfinanzierung in vielen Bereichen einen guten Ruf erarbeitet.

In der Lehre ist dies zum Beispiel durch sehr gute Positionen im CHE-Ranking belegt. Auch die stetig wachsenden Studierendenzahlen und der beachtlichen Anteil ausländischer Studierender zeigen, dass die BTU bei Studierenden und Studienanfängern sowohl im In-, als auch im Ausland ein gutes Ansehen genießt.

Kooperationen unter anderem mit Vattenfall, Rolls-Royces und dem IHP sowie diverse EU- , BMBF- und DFG-Projekte zeugen von der qualitiativ hochwertigen wissenschaftlichen Arbeit. Ebenso wie die Tatsache, dass bei der letzten Wahl drei Professoren der BTU in die Fachkollegien der DFG gewählt wurden.

Die BTU mit ihrem guten Ruf zugunsten eines Experiments aufzulösen, welches bereits vielerorts versucht wurde und scheiterte, ist ein Fehler!

Marcel Baronick, B.Sc.

(Absolvent Informations- und Medientechnik Bachelor, BTU Cottbus)

Ich bin sehr enttäuscht, dass dieses Vorhaben umgesetzt werden soll. Der gute Ruf der BTU als international und national hochwertige Einrichtung darf durch eine "Auflösung" nicht zu Nichte gemacht werden.

Dipl.-Inf. Denny Schneeweiß, FG Softwaretechnik. TU Berlin

(Absolvent Informatik Diplom. BTU Cottbus, Doktorand DFG-Graduiertenkolleg SOAMED)

Als Student habe ich die sehr gute Lehre und hervorragende Betreuung in der Informatik an der Technischen Universität Cottbus außerordentlich geschätzt. Auch die Tatsache, dass ich bereits während des Studiums Forschung betreiben und mehrere wissenschaftliche Papiere veröffentlichen konnte, ist dieser intensiven Betreuung zu verdanken.

Nach meinem Abschluss bin ich nun wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin und realisiere, mit wie wenig Mitteln die BTU Cottbus im Vergleich zu anderen Universitäten auskommen muss und bin über das hohe Niveau, welches in Cottbus sowohl in Forschung als auch in der Lehre trotz knapper Mittel erreicht wird, umso beeindruckter.

Die Pläne des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur zur Neugründung einer sogenannten „Energie-Universität“ und den mehr als sportlichen Zeitplan, ohne dabei jedoch konkrete Konzepte parat zu haben, halte ich für kontraproduktiv und übereilt.

Der Name und die Marke BTU Cottbus ist national wie auch international für hervorragende Absolventen und gute Forschung bekannt. Eine Zerstörung dieser Marke halte ich für einen großen Fehler, der sich auch auf den Ausbildungsstandort Brandenburg negativ auswirken würde. Die BTU hat sich ihren guten Ruf über lange Jahre erarbeitet, eine Lausitzer Energie-Universität müsste diesen weiten Weg wieder von vorne beginnen.

Dipl.-Inf. Tilo Krause, Erlangen

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

In der Presse wird immer von Fachkräftemangel gerade in den naturwissenschaftlichen Bereichen geschrieben. Und gerade dieses Bereiche soll wegfallen oder verkleinert werden? Das hört sich nach keinem guten Konzept an.

Auch das Zusammenlegen der BTU mit der FH zu einer neuen Institution, ist lediglich ein neues Experiment im der föderalen Bildungswahn. Jede® neue Minister(in) meint es besser zu wissen als die anderen. Zunächst gab es ein langes Ringen (bei den Prüfungs- und Studienordnungen) bezüglich der Standardisierungen der Studiengänge auf das Bachelor/Master-System. Jetzt wieder eine neue Art (auch wenn diese wohl an das bisherige Angelehnt ist) wie das Studium durchgeführt werden soll. Somit besteht keinerlei Planungssicherheit für die werdenden und schon vorhandenen Studierenden.

Im Diplomstudiengang der Informatik habe ich damals an fachübergreifenden Veranstaltungen teilnehmen müssen. Ein ressortübergreifenden Blick empfehle ich auch der Ministerin Kunst, denn auf der einen Seite wird mit allen Mitteln versucht die jungen Leute (vor allem Frauen) versucht in Brandenburg zu halten und jetzt werden auf der anderen Seite die Perspektiven dieser Zielgruppe enorm eingeschränkt. Mit dieser Strategie wird die Region mittelfristig immer weiter altern und aussterben.

Ich habe gern an der BTU studiert. Es war anspruchsvoll und immer sehr interessant.

Keqiu Xia, B.Sc., Bing Xu, B.Sc.

(Absolventen Informations- und Medientechnik Bachelor / Informatik Bachelor, BTU Cottbus)

Wir bedanken uns dafür, dass BTU uns die Studienchance gab. Wir finden, dass BTU durchaus zur den forschungsorientierten Technischen Universitäten gehört. Wir sind stolz auf den BTU‐Abschluss. Wir nutzen alles, was wir an der BTU gelernt haben, im Beruf. Wir verfolgen äußerst aufmerksam die Entwicklung der BTU. So dass wir die BTU viel mehr lieben als unsere vorherige Universität, an der wir in China studiert hatten.

Zum Schluss möchten wir einfach sagen: Wir unterstützen BTU.

Dipl.-Inf. Paul Kröher, Wolfsburg

(Absolvent Informatik Diplom, BTU Cottbus)

Ich bin doch sehr erschüttert, mit welcher Naivität das Ministerium versucht beide Einrichtungen unter dem Deckmantel der Umstrukturierung zu fusionieren, um damit ggf. Kosten einzusparen. Die finanzielle Situation ist an beiden Einrichtungen sehr angespannt. Aus meiner Zeit im Fakultätsrat der F1 an der BTU ist mir deren Situation der letzten Jahre gut bekannt. An der Hochschule Lausitz dürfe es nicht viel anders aussehen. Schaut man sich die Situation und Möglichkeiten nach einer möglichen Fusion an, ist relativ klar wo noch "gespart" werden kann.

Erstens wird die Folge sein, dass weitere Stellen im akademischen Mittelbau wegfallen werden bzw. nicht verlängert werden. Konsequenz daraus wird sein, dass darunter in erster Linie die Qualität der Lehre leiden wird. Zweitens stellt sich dann unweigerlich die Frage wo diese Stellen eingespart werden können. An der HS Lausitz wird die Lehre schon zum großen Teil von den Professoren selbst bewältigt. Der weitere Stellenabbau wird zwangsläufig die BTU treffen.

Nicht zu vergessen, dass von einer Universität und deren Mitarbeitern erwartet wird, dass sie sich in der Forschung einen Namen machen. Dieser Aspekt wird unweigerlich zu kurz kommen und ein möglicher Beitritt zur DFG in noch weitere Ferne rücken.

Wie bereits von anderen Alumni angemerkt wurde, ist es für jeden Arbeitgeber von großem Interesse zu wissen, an was für einer Einrichtung ein möglicher Mitarbeiter seine Ausbildung absolviert hat. Hier haben beide Formen der Ausbildung ihre eigenständige Daseinsberechtigung. Bei einer de facto Gesamthochschule kann kein Außenstehender entscheiden, welche Art der Ausbildung ein Absolvent genossen hat bzw. welches Niveau die Ausbildung hatte.

Nicht zu vergessen, der Name BTU Cottbus, die Bekanntheit und die Reputation sind mühsam in den letzten Jahren aufgebaut worden. Dieses sollte man nicht leichtfertig über Bord werfen. Kein Mensch wird in den nächsten Jahren etwas mit dem Namen Energie-Universität anfangen können. Weiterhin sollte sich jeder einmal die Frage stellen, wie man einem Außenstehenden diesen Namen erklärt. Bei einer technischen Universität stellt sich diese Frage überhaupt nicht.

Es bleiben nur Fragen und keine Antworten, werden vom Ministerium noch von Frau Ministerin.

Keine Kunstprojekte in der Lausitz.

Nancy Renning, B.Sc., Zürich

(Absolventin Informations- und Medientechnik Bachelor, BTU Cottbus)

2008 habe ich an der BTU mein Studium der Informations- und Medientechnik (IMT) abgeschlossen und bin anschliessend daran an die Universität Zürich (UZH) gegangen, um Allgemeine Sprachwissenschaft zu studieren. Dass ich nach Absolvierung der linguistischen Fächer für den Master of Art zugelassen wurde und zwar ohne Nebenfächer zu absolvieren, war der Tatsache zu verdanken, das eine ausreichend große Übereinstimmung der beiden Fächer nachgewiesen wurde. Das, was IMT mit der Sprachwissenschaft verbindet, ist die Abstaktion. Die UZH hat anerkannt, dass die BTU insbesondere durch die Fächer Mathematik und Informatik eine solide Basis für ein aufbauendes Studium vermittelt hat. Für einen Abschluss in Linguistik benötigt man darüber hinaus fundierte Latein-Kenntnisse oder, falls diese wie in meinem Fall nicht vorhanden waren, Kenntnisse in einer weiteren nicht-indoeuropäischen Sprache. Ich besuchte mehrere Semester am Sprachenzentrum der BTU Japanisch-Kurse. Auch diese wurden mir ebenfalls von der UZH anerkannt. Diese Anerkennung war nicht einzig ein bürokratischer Akt, den eine fachfremde Person vollzog. Ein sprachliches Institut der UZH befand, dass die BTU in der Lage war, Sprachkenntnisse auf einem Niveau zu vermitteln, wie sie auch an einer Philosophischen Fakultät erwartet werden. Keine Selbstverständlichkeit für eine technische Universität.

In den Medien ist zu vernehmen, dass die BTU sich zu einer Energie-Universität Lausitz mausern soll. Eine Profilierung kann jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn Grundlagenfächer wie Mathematik und Informatik nicht wegfallen. Auch ist es schwer nachzuvollziehen, wie die neue Universität sich im Energiebereich gegenüber anderen Hochschulen durchsetzen möchte, wenn die zu BTU-Zeiten sehr renommierte Architektur wegfällt/zurückgefahren wird. Dies erweckt den falschen Eindruck, dass die Isolation der Wände, Solaranlagen auf dem Dach etc. an einer Energie-Universität nichts zu suchen haben. Soll auch die Antriebstechnik Sparmassnahmen zum Opfer fallen? Möchte sich die neue Uni lieber nicht auf Benzin spezialisieren, sondern nur auf Kerosin und die wirklich grossen Verbraucher? Oder nicht mal das?

Dass die Grenze, was inhaltlich die Studiengänge einer Themen-Universität ausmachen soll, schwer zu ziehen ist, sieht man daran, dass auch Chemie nicht fehlen darf, denn Drittmittelgeber im Energiesektor dürfen erwarten, dass an einer Energie-Universität zu Materialien geforscht wird, die Widerstände verringern oder dass zu Verbrennungsverhalten von verschiedenen Ölen, Kohlemischungen etc. geforscht wird, um herauszufinden, was ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist.

Diejenigen, die für die Umstrukturieren/Neukonzipierung der Studiengänge verantwortlich sind, müssen sich bewusst sein, dass sie auch bei einer Spezialisierung auf das Thema Energie die Wirtschaft mit der Hochschule nur dann zusammenarbeiten kann, wenn das Forschungsangebot in diesem Bereich ausreichend breit gefächert ist. Werkstudenten und Absolventen müssen auch in Zukunft in der Lage sein, sich dem Unternehmen anzupassen. Dafür ist einerseits ein Verständnis von Modellen notwendig und andererseits wird die Kompetenz sich mit anderen unmissverständlich zu verständigen, benötigt. Marginale Mathematikkenntisse, zu kurz gekommenes Programmierwissen etc. sprechen sich schnell unter den Unternehmen rum. Die Studierenden repräsentieren ihre Hochschule nach aussen. Zusammen mit den in der Forschung tätigen Doktorierenden, Post-Docs und Professoren bilden sie der Grundpfeiler des Marketings für den Energiesektor.

Ein "Problem" vor dem alle Hochschulen derzeit stehen, ist der Umgang mit dem recht heterogenen Wissensstand der Abiturienten. Ein zweiwöchiger Sommerferienkurs wird nicht ausreichen, um die 0Abiturienten auf das Niveau zu bringen, dass (nahezu) jeder, der sich für das technische Studium aus Überzeugung entschieden hat, dort abgeholt werden kann, dass auch dieser eine respektable Leistung erbringen kann und in Zukunft ein gutes Licht auf die Universität Lausitz werfen kann. Einfach die Erstsemestler auszusieben und sich all jener zu entledigen, die keinen Mathe-Leistungskurs auf dem Gymnasium besuchen, ist eine Lösung, die in der Gesellschaft etwa so schätzt, wie die Entscheidung, Schüler aus bildungsfernen Schichten lieber nach wenigen Jahren Grundschule auf die Hauptschulen zu schicken, damit sie die Leistungsstarken nicht im Weg stehen. Das Sparen an guten Mathematikern und Informatikern, die den Studierenden eben dieses Fundament geben können, ist ein Sparen an der Reputation der neuen Hochschule.

Über die heterogenen Kenntnisse zu Studienbeginn wurde bisher viel gestritten und den Schulen bzw. dem Bildungssystem der schwarze Peter zugesteckt. Doch anstatt sich darüber zu lamentieren, dass Abiturienten von Schulen kommen, die unterschiedliche Bildungsinhalte priorisieren, sollte die Universität genau diesen Trumpf ausspielen und die verschiedenen Interessen der Studierenden als Chance ansehen. Vielseitige Hintergründe bergen viel Potential in sich, wenn man es denn zu nutzen weiss.Die Bildung an einer Universität sollte darauf flexibel reagieren und sich nicht in einer Art bürokratisieren, dass es blockierend wirkt. Was spricht dagegen die Studiengänge so zu gestalten, dass das Grundlagenstudium zur "Homogenisierung des Wissens" Bestandteil ist und die anschliessenden Semester mit sehr viel Wahlfreiheit für die Studierenden gestaltet werden? Zu oft habe ich gehört, man könne doch nicht Denkmalspflege mit Machinenbau kombinieren oder den Elektrotechnikern erlauben, sich den Zeichenkurs der Architekten anerkennen zu lassen. Mit solch einer Kombination würde doch keiner ein Job finden. Ich bin aus zwei Gründen nicht dieser Meinung:

  1. bin ich davon überzeugt, dass ein Student in dem gut ist, was er studieren möchte und dies entscheidend zur erfolgreichen Jobsuche beiträgt und
  2. generiert die Hochschule jährlich nicht zahlreiche Absolventen, die (fast) genau das gleiche studiert haben, und zeitgleich auf den Arbeitsmarkt verfügbar sind.

Ein Studium Generale mit wenigen Kreditpunkten ist zu wenig, um sich als Absolvent zu profilieren. Zu wenig Wahlfreiheit gestaltet es schwierig, sich von den anderen Kommilitonen abzuheben und es zwingt die Unternehmen viel mehr nach nach Noten und nicht nach Interessenfelder und Spezialisierungen ihrer Bewerber auszuwählen. Eine Universität wird auch daran gemessen, wie viele Absolventen eine passende Arbeitsstelle erhalten können. Man käme den Studierenden entgegen, den Unternehmen und nicht zuletzt den Verantwortlichen, die den Studiengang konzipieren, denn sie können die Entscheidung, welche Kombination der Fächer sinnvoll ist, ihren Studierenden überlassen. Ich finde es anmassend zu glauben, dass die Studienordnungsschreiber besser wissen, was die Wirtschaft verlangt als die Wirtschaft/die Studierenden selbst.

Energie ist auch ein politiknahes Feld. Das beste Beispiel bietet dafür die Haltung der Regierung im Solar-Sektor. Zu rigide Studiengänge mit einem sehr starken Spezialisierungsgrad kann dazu führen, dass sich nach dem Abitur viele für ein Studium im Solarbereich entscheiden und viele dies zähneknirschend zu Ende studieren würden, obwohl die Zeichen in der Mitte des Studiums vielleicht auf eine anderen Technologie stehen. Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass bei jeder Veränderung ein neuer Studiengang schnell mal zusammengestellt wird, der bei Studiumsende u.U. vielleicht schon wieder nicht mehr aktuell ist. Der Energiesektor ist starker Veränderung unterworfen und auf diese muss eine starke Energie-Universität blitzschnell reagieren können. Darum gilt es

  1. den Studierenden ein gutes Basiswissen zukommen zu lassen, damit sie überhaupt eine reele Chance haben, sich auf diese Veränderung einzustellen und
  2. zu steife Strukturen im System abzubauen und den Studierenden durchaus die Kompetenz zuzusprechen, dass sie in einer Weise studieren, dass sie Jobchancen haben werden.

Zur Frage, ob eine technische Energie-Universität Fächer wie Philosophie, Sozialwissenschaft, Ökonomie, Technikgeschichte etc. wirklich braucht. Unterfragen könnten vielleicht auch so lauten:

  • Müssen Energie-Studierenden wirklich Ahnung davon haben, welche Energieformen in der Vergangenheit welche Effekte hatten und benötigt es dieses Wissen, um nachhaltige Wege zu beschreiten?
  • Ist es wirklich relevant zu wissen, ob sich der Otto-Normal-Verbraucher lieber ein Deutschland mit tiefen Benzin-Preisen oder stark ausgebauten Nah- und Fernverkehr wünscht?
  • Muss die Forschung beweisen, dass kurzfristig-gedachte Energiepolitik wirklich so viel teurer kommt (und ab wann) oder können wir uns da auf das Bauchgefühl derjenigen verlassen, die uns diese Information als evident in den Medien verkaufen? etc.

Ich plädiere nicht darauf, dass jeder Studierende jede dieser Fragenumfassend beantworten können muss, aber von einer Energie-Universität kann man erwarten, dass es Studierende gibt, die sich diesen Fragen widmen. Das Angebot in diesen Bereichen zu streichen oder zu stark zu reduzieren, halte ich für verantwortungslos, da eine Energie-Hochschule auch eine gesellschaftliche Funktion wahrzunehmen hat.

Als letztes möchte ich mich zum Thema Ressourcenmanagement, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit äußern: Dies sind Begriffe, die einen Absolventen der zukünftigen Universität Lausitz prägen sollten. Ich selbst werde in Erklärungsnot gelangen, wieso ich einen von einer Energie-Universität anerkannten Abschluss innehabe, obwohl ich mich inhaltlich (fast) nie mit Energie-Fragen beschäftigt habe. Bei der Zusammenführung der BTU und der Fachhochschule Lausitz würde ich mir wünschen, dass auch die Verantwortlichen sich ebenfalls intensiv mit Ressourcenmanagement, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit auseinandersetzen und die Universität Lausitz nicht als ein aus Sparmaßnahmen entstandenes Patchwork-Kind endet, sondern zukünftige Absolventen darauf vertrauen können, dass ihr Abschluss den Wert behält, den sie ihm bei Beginn ihres Studiums beigemessen haben.

Weitere Seiten mit Alumni-Berichten

Alumni Seiten in der BTU

gruppen/mittelbau/alumni_berichten.txt · Zuletzt geändert: 20.03.2014 08:41 von btu_gengler